Braukunst Live 2018

München, 02. Februar 2018. Ein eisiger Freitag Nachmittag, die ganze Stadt scheint wie erfroren. Sicherlich nicht die ganze Stadt, denn wer Bier mag, der pilgert wie jedes Jahr an diesem Wochenende ins MVG-Museum. Denn unter dem Thema „Revival deutscher Bierstile“ treffen sich 98 Aussteller hier, um auf der Braukunst Live!  ihre Produkte zu präsentieren. Abgesehen vom fertigen Bier gibt es auch allerlei drum herum: Die Technische Universität München ist mit ihrem Campus Weihenstephan vertreten (natürlich gibts auch hier Bier, aber von der kommerziell nicht erhältlichen Forschungsbrauerei),  die Berufsfachschule für Brauer hatte einen Stand, die Bierpoints-App, die uns allen Freibier am Abend versprach, der Meininger Verlag präsentierte sein Craft-Magazin, Bukanter hatte allerlei Accessoires rund ums Bier zu bieten, Speidel Anlagenbau zeigte vornehmlich seine Hobbybraueranlagen und viele andere Aussteller hatten einiges zu bieten, was weder flüssig noch alkoholhaltig war. Kulinarisch wurde das ganze neben einer Catering-Area vom Südtiroler Spezialitätenladen und dem Tölzer Kasladen begleitet. Nebenbei konnte man auch einiges über Die Rohstoffe lernen, die im Bier zum Einsatz kamen. „Braukunst Live 2018“ weiterlesen

Feierabend Favorit – METS von Põhjala

Ähnlich zu Kiesbys Waldbieren, über die wir neulich schon geschrieben haben, gibt es eine Forest Serie von  Põhjala. Die estnische Brauerei ist ja schon seit längerem sehr bekannt für ihre Experimentierfreude. Das METS dieser Forest Serie ist ein Black IPA, welches mit Fichtensprossen und Waldblaubeeren gebraut wurde. Dazu kommen fünf verschiedene Hopfen (Magnum, Columbus, Amarillo, Mosaic und Yello Sub) und acht Malzsorten. Insgesamt dominieren die Noten eines typischen Black IPAs, also eine Kombination aus bitter und malzig/röstig. Jedoch auf eine sehr ausgewogene Art und Weise. Oft hat man bei Black IPAs das Gefühl, dass nur die Bittere des Hopfens und die Röstaromen des Malzes den Geschmack bestimmen und es dazwischen gar nichts gibt. Wer also ähnlich kritisch dieser Biersorte gegenübersteht wie ich, dem sei das METS ans Herz gelegt, das beste Black IPA, dass ich bisher getrunken habe!

Bierige Podcasts

Für alle denen ein Artikel von uns die Woche nicht genügt, hier eine kleine (sehr persönliche) Zusammenstellung mit Podcasts über Bier.

hockdiher (Bayern-Podcast)

Bayern traditionell anders, mit sehr viel über Bier.  Teilweise auch etwas konservativ, nichtsdestotrotz sehr informativ.

  • Crew Republic – Craft Beer; Entstehung von Crew Republic, Biere, Hopfenanbau und Hopfensorten
  • Georg VI Schneider – Schneider Weiße; Weißbier, Geschichte der Familie Schneider Weiße
  • Stephan Michel – Helles und Bockbier; Einblick in das Mahrs Bräu in Bamberg
  • Elisbath Stiglmeier – Hopfenbotschafterin; gibt einen guten Überblick über die Hallertau und den Hopfenanbau
  • Schwester Doris – Braumeisterin; guter Einblick in Klosterbier, das Bierbrauen an sich und die Haltbarkeit von Bier

CRE Technik Kultur Gesellschaft

In der Folge CRE194 Bier ist Tim Pritlove im Gespräch mit Andreas Bogk (Bogk Bier). Sehr ausführlicher, spannender Podcast. Andreas erklärt die sehr interessante Wiederauferstehung der Berliner Weiße. Bogk Bier existiert leider nicht mehr, sein Equipment wurde an die Schneeeule (ebenfalls sehr gutes Bier) weitergegeben.

WRINT (Holger Klein)

Ortsgespräch auch wieder mit Andreas Bogk, diesmal bei Holger Klein. Eine Fortsetzung gibt es ebenfalls: WRINT Flaschen Bier II und Bierlagerräumung. Hier wird getastet.

Craft Beer & Friends

Ein im August 2017 gestarteter Podcast über Bier. Anfangs gibt es immer Biernews, danach gibt es Tastings, Interviews. Insgesamt gibt es bis jetzt neun Folgen. Sehr gut gemacht !

 

 

Bierland Frankreich ?! – Lille

Lilles Nähe zu Belgien lässt schon hoffen, dass es in dieser Stadt mehr um Bier als um Wein geht. Und tatsächlich wird man nicht enttäuscht! Bei einem ausgedehnten Stadtspaziergang bin ich so auf den ein oder anderen Craft Bier Laden und mehrere Bars gestoßen. Eine super Auswahl, vor allem mit Bier das in Flandern gebraut wird, gibt es im Abbey des Saveurs. Sehr sympathisch und sehr humane Preise (das meiste zwischen 1,50 – 3,50 €).

Das sehr gut sortierte Abbey des Saveurs.

Besonders typisch: das Ch’ti Bier von Castelain.  Ch’ti ist der Dialekt der im Norden Frankreichs (Hauts-de-France) gesprochen wird und der bekannt durch den Film Willkommen bei den Sch’tis geworden ist. Das Bier ist relativ malzig und man schmeckt die 5.9 % etwas. (Ein Foto von dem Bier gibt es im Artikel Bière artisanale- Craft Bier auf Französisch).

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Hat das Reinheitsgebot ausgedient?

Logo Deutsche Kreativbrauer e.V.

In unserem Beitrag zu den Waldbieren von Axel Kiesbye haben wir das Thema Reinheitsgebot schon kurz angeschnitten. In Deutschland, so würde man meinen, regelt es, dass nur Hefe, Wasser, Gerstenmalz und Hopfen im Brauprozess verwendet werden dürfen. Tatsächlich wird aber Hefe im ursprünglichen Reinheitsgebot gar nicht erwähnt (da im 16. Jhdt unbekannt) und heutzutage wird stattdessen nach dem „Vorläufigen Biergesetz“ gebraut. Auch interessant ist, dass dieses mehr Zutaten erlaubt als die vier oben genannten, zum Beispiel Zuckerzusätze, Konzentrate und Filtrierstoffe. Importbiere fallen jedoch nicht darunter, was dazu führt, dass etwa Camba Bavaria ihr „Sweet Stout“ in Österreich brauen müssen.

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Bier – Wie entsteht das eigentlich?

Ich schreibe also jetzt Beiträge mit dem Tag Freizeitbrauen. Freizeitbrauen? Ganz genau. Hobbybrauer bin ich also… Warum man das macht, dazu konntet Ihr ja am 22.11. schon was lesen. Interessant wäre da natürlich auch das „Wie“. Womit fängt man da am besten an, als zuerst den Brauprozess zu schildern. Besonders weil die wenigsten wissen, wie Bier eigentlich gemacht wird. Zum Glück haben wir den Deutschen Brauer-Bund e.V., dessen Homepage übrigens einen Besuch wert ist und eine geniale Abbildung zum Bierbrauen betreit hält.

Mit Malzschrot fängt alles an

Leider werden wir in diesem Beitrag nicht an der Verwendung einiger Fachbegriffe vorbeikommen, die ich aber hoffe so gut zu erklären, wie möglich. „Bier – Wie entsteht das eigentlich?“ weiterlesen

Kiesbye’s Waldbiere – Biere der Wildnis

Das Reinheitsgebot gehört etwa genauso zu deutschem Bier wie eben Wasser, Hefe, Gerstenmalz und Hopfen, ist aber vor allem unter Craft Bier Brauern nicht unumstritten. Im Verein „Deutsche Kreativbrauer“ haben sich ursprünglich 11 Brauer zusammengeschlossen um das sogenannte Natürlichkeitsgebot zu unterstützen. Kurz gesagt bemängeln sie, dass Zuckerzusätze, Konzentrate und chemische Filtrierstoffe trotz Reinheitsgebot erlaubt sind, während für natürliche Zusätze wie Maronen, Meersalz, Koriander oder Beeren Sondergenehmigungen eingeholt werden müssen. Doch hierzu in einem späteren Artikel mehr.

Ich weiß nicht, ob Axel Kiesbye diese Initiative kennt, aber ich kann mir vorstellen, dass er sie auf jeden Fall unterstützen würde. Der Legende nach wurde der Braumeister von einem schottischen Alba Ale inspiriert, einem mit Kiefer- und Fichtenzweigen gebrautem Bier. Seit 2011 entsteht nun jedes Jahr eine österreichische Interpretation dieses Braustils mit  Waldzutaten aus verschiedenen Gegenden der Alpenrepublik. Gebraut wird als Gypsy Brewer in der Trumer Brauerei in Zusammenarbeit mit den Österreichischen Bundesforsten.

Wir haben für euch die „Jahrgänge“ 2015 – 2017 sowie das ständig erhältliche Tau probiert. Letzteres lässt sich am ehesten als Session IPA mit Minzgeschmack beschreiben, was vielleicht etwas befremdlich klingt. Tatsächlich ergibt die Kombination ein angenehmes, erfrischendes Bier, das an Gletschereis Bonbons erinnert. Insgesamt ist der Geschmack aber nicht aufdringlich oder zu intensiv, die Drinkability ist also gesichert.

Die Waldbiere sind alle spannend und haben in Geruch und Geschmack die wildesten Assoziationen hervorgerufen. Da war von Algen/Sushi (2016, Wacholder), aber auch Marzipan (2017, wilde Kirsche) oder Heu (2015, Fichte) die Rede. Auch optisch sind die Biere ansprechend. Hält man etwa das Bier mit wilder Kirsche gegen das Licht, so kann man deutlich den noch enthaltenen Blütenstaub erkennen.

Insgesamt sind die Biere schwer zu beschreiben, sie sind aber auf jeden Fall einzigartig und eignen sich sogar zur Einlagerung! Wir können also unsere wärmste Empfehlung für die Waldbiere und das Tau aussprechen. Für das beste Ergebnis unbedingt mehrere verschiedene Sorten hintereinander probieren und auf eine Trinktemperatur von ca. 10°C achten!

Feierabend Favorit à la française: Biere von Mor Braz

Zwei außergewöhnliche Biere von Mor Braz.

Der Norden Frankreichs: Cidre, Meer und schlechtes Wetter. Der ganze Norden Frankreichs? Nein, in einem kleinen Dorf namens Theix regt sich Widerstand. Die Brauerei Mor Braz bietet als Gegenpol einige außergewöhnliche Biere an.

La Bière Cidrée ist ein leicht malziges Bier, dass mit Apfelsaft aus der Bretagne vergoren wurde. Nach einem malzigen Angeschmack setzen sich Apfelnoten durch, die stark an traditionellen Cidre inklusive Holzfass erinnern. Aber keine Sorge, das Bier ist weit von einem süßen Radler entfernt und trotzdem leicht trinkbar. Auch bei nur 4 Vol.-% ist Alkohol schmeckbar. Ein rundum gelungenes, außergewöhnliches Getränk, welches das beste von Bier und Cidre vereint.

A l’eau de Mer weißt hingegen als Besonderheit auf, dass es mit aufbereitetem Meerwasser gebraut wurde. Insgesamt malziger, hat man im Nachgeschmack mineralische Noten, die entfernt an Meerwasser oder auch Kürbiskernöl erinnern. Obwohl es 6 Vol-% hat, schmeckt man den Alkohol weniger.

Wir können euch leider nicht sagen, ob es dieses Bier außerhalb Frankreichs bzw. selbst im Süden Frankreichs zu kaufen gibt, aber wenn ihr euch das nächste Mal verirrt, warum nicht nach Theix?

Richtig Tasten

Recht schnell stellen sich folgende Fragen in der immer florierenderen Craft Bier Szene: wie behalte ich da bloß den Überblick? Wie genau hat das Bier gleich nochmal geschmeckt?

Doch wie tastet man eigentlich richtig? Zu empfehlen sind einerseits die richtigen Gläser und die richtige Temperatur, die oft auch auf den Flaschen steht. Ein tiefgekühltes Stout oder Porter wird nur wenige seiner Aromen entfalten (man trinkt es am besten zwischen 10 – 15°C bzw. kellerkalt).  Dann wendet man die retronasale Technik an: Nase zu halten, Schluck Bier nehmen, runterschlucken und dann erst ausatmen. Während die Zunge nur 5 Geschmacksrichtungen (süß, sauer, bitter, umami, salzig) erkennt, kann die Nase mit deutlichem Abstand mehr – das nutzt man bei dieser Technik aus. Außerdem wird Bier nicht wie Wein im Mund hin und her gespült, denn die Kohlensäure ist ein wichtiges Beurteilungskriterium. Bier spuckt man auch nicht wie Wein aus, da man die Bittere im hinteren Bereich der Zunge schmeckt und das wiederum ist für Bier ebenfalls ein Erkennungsmerkmal. Die Geschmackswahrnehmung kann man trainieren und auch hier gilt: Übung macht den Meister.

Und wie behält man da jetzt den Überblick? Ich persönlich schreibe konsequent jedes Bier auf, das ich trinke. Dazu verwende ich die 33 Bottles of Beer Tasting-Bücher. Diese sind praktisch klein, sodass ich sie überall mithin nehmen kann. Für jedes Bier kann ein sogenanntes Flavor Wheel ausgefüllt werden, indem bewertet wird, wie hoppy / floral / malty / sour etc. ein Bier ist. Außerdem kann man Daten wie die Stammwürze, den Alkoholgehalt und Preis aufschreiben und eine Gesamtbewertung abgeben, indem man bis zu fünf Sternen ausmalt. Was auch sehr nützlich ist, ist der Platz für eigene Notizen. Diese Bücher erhält man in Deutschland bei manufactum. Die Professional Edition, in welcher man noch zusätzlich die Schaumbildung  (Bubblemeter) und Farbe beurteilen kann, und noch wichtiger, aus wasserabweisendem Papier besteht, hab ich bisher leider noch nirgends gefunden. Also blieb nichts anderes übrig, als sie direkt bei 33 Books auf der Homepage zu ebstellen und aus den USA zu importieren. Relativ teuer (Achtung Zoll!) und dauert lang. Anders als man vielleicht denkt, sind gerade für den Anfang diese Bücher sehr nützlich.  Das Flavor Wheel hilft sehr beim Tasten eines Bieres und dem Erkennen einzelner Aromen. Es zwingt einen aktiv darüber nachzudenken, was man wirklich alles schmeckt. Am allermeisten aber helfen die Freunde, mit denen man sich sein Bier teilt. Oft sitzt man da und denkt sich: das kenn ich, sowas hatten wir schon mal…

In diesem Sinne viel Spaß beim Ausprobieren!