Kraftbier aus Bayern – Hoppebräu

Wenn in München und Umgebung ein bieriges Event stattfindet ist klar, wer nicht fehlen darf und das auch nie tut: Markus Hoppe von Hoppebräu. Pionier der bayrischen Craft Bier Szene, Brauer und Gründer von Hoppebräu schenkt meistens selbst sein Bier aus und berät mit viel Geduld und Hingabe sein Sortiment für Neueinsteiger in der Craft Bier Szene. 2010 klein angefangen und auf die tatkräftige Unterstützung seiner Familie angewiesen, hat er mittlerweile eine eigen finanzierte Brauerei in Waakirchen.

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Ich sehe was, was du nicht siehst – Helles Lager Blindtasting

Helle Blindtasting

Vielleicht habt ihr es schon auf unserer Instagram Story gesehen, wir haben uns an ein Blindtasting gewagt! Das heißt wir wussten nicht, welches Bier jetzt im Glas ist und konnten so (fast) unvoreingenommen unsere Meinung dazu abgeben.

Wir haben nicht zufällig helle Lagerbiere als Versuchsobjekte gewählt. Dieser in Bayern und Österreich weit verbreitete Bierstil führt immer wieder zu Kontroversen am Stammtisch. Obwohl hier typischerweise eine recht zurückhaltende Aromatik vorherrscht, haben die meisten BiertrinkerInnen eine ziemlich eindeutige Meinung darüber, welche Marken schmecken, welche Kopfweh verursachen und welche in den Abfluss gehören.

Mythbusters – bierspindel Edition: Wir haben uns 5 verschiedene helle deutsche Lagerbiere in Flaschen gekauft und blind verkostet. Kurz möchte ich euch die Kandidaten vorstellen:

  1. Chiemseer Hell: Eine Marke der Auerbräu GmbH aus Rosenheim, weswegen es auch vor kurzem einen Rechtsstreit mit der Brauerei Tegernsee gab, da Rosenheim ja bekanntlich nicht am Chiemsee liegt. Die Etiketten geben jetzt zweifelsfrei an, dass in Rosenheim gebraut wird und es gab kurzzeitig leicht passiv agressive Kartonumhänger für die Flaschen.
  2. Tegernseer Spezial: Sicherlich eins der lokalen Trendbiere der letzten Jahre, ist Tegernseer seit 2-3 Jahren sogar in Wien erhältlich.
  3. Augustiner Helles: Gehört zu München wie das Oktoberfest und hat es sogar bis in die Spätis nach Berlin geschafft.
  4. Löwenbräu Original: Als weitere traditionelle Münchner Biermarke, war Löwenbräu immer auch ein Exportbier. Das ging bis zum Sponsoring amerikanischer Autorennen. Inzwischen ist der Glanz der früheren Zeiten ein bisschen abgebröckelt und das Bier hat nicht den allerbesten Ruf in Bayern.
  5. Oettinger Hell: Das günstigste der von uns getrunkenen Biere und sicher auch das „umstrittenste“. Oettinger beschäftigt über 1000 Mitarbeiter und verzichtet größtenteils auf Werbung. Zusammen mit hochautomatisierten Brauverfahren kann das Bier dadurch zu günstigen Preisen verkauft werden.

Unsere Beurteilung vorab war, dass am liebsten Augustiner und Tegernseer getrunken wird, Chiemseer und Löwenbräu eher selten und Oettinger de facto nie. Wir hatten also einen guten Mix vor uns, um unsere Vorurteile und Markenmeinungen zu testen.

Zwei nicht mittrinkende Freunde brachten uns also der Reihe nach die 5 Biere und wir mussten notieren wie sie uns schmecken bzw. welches wir glauben vor uns zu haben.

Meine persönliche Meinung zur Kontroverse um helle Lagerbiere ist, dass die meisten KonsumentInnen gar nicht bewusst unterscheiden können, welches Bier sie vor sich haben. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass die Marke die am Glas steht einen größeren Einfluss auf den subjektiven Geschmack hat als das Bier selbst.

Umso überraschter war ich, wie viele Aromen dann doch aus den Bieren zu schmecken waren. Plötzlich entfalteten sich malzige oder hopfige Noten, die ich vorher noch nie so in den Bieren wahrgenommen habe. Das zeigt wiederum aufs Neue: Bier bewusst genießen! Gerade Helles, Weißbier und Pils wird oft eher nebenher getrunken und der Geschmack gar nicht richtig gewürdigt.

Am besten abgeschnitten hat bei uns das Tegernseer Spezial, interessanterweise wurden Augustiner, Löwenbräu und Chiemseer alle als durchschnittlich bewertet. Einzig das Oettinger Hell konnte uns nicht überzeugen. Hier bleibt zu sagen, dass eigentlich das Oettinger Export das Referenzbier sein sollte, wir hatten es leider nicht bei der Hand.

Insgesamt hatten wir eine Menge Spaß und wir können nur ans Herz legen mit euren FreundInnen ein Blindtasting zu machen. Es muss ja nicht mit hellem Lagerbier sein, Pils und Weißbier eignen sich ebenso hervorragend um mit alten Vorurteilen aufzuräumen!

Brauerei Flügge – die „Norweger“ aus Frankfurt am Main

Brauerei Flügge

Ein guter Freund von uns hat vor Kurzem bei der Brauerei Flügge (laut ratebeer „bestes Bier in Hessen“, „beste Brauerei in Hessen“, „beste neue Brauerei in Hessen“ und „best new German brewer“) ein Praktikum gemacht und hat uns vier ihrer durch die Bank erwähnenswerten Biere mitgebracht.

Eine kurze Vorgeschichte: Einer der Gründe warum Viktor zum Hobbybrauen gekommen ist, war die monetäre Lage im Auslandssemester in Norwegen. Da hilft es natürlich, wenn man Biochemiker ist und sich schon mal die Ausgaben für Bier sparen kann. Als ich mit Anni, dem Kveik Pale Ale, in der Hand vom Kühlschrank zurückgekommen bin, fragte er mich gleich ungläubig, ob das tatsächlich mit der norwegischen Kveik Farmerhefe gebraut ist. Es folgte eine längere, durchaus spannende Erklärung über die jahrhundertealte norwegische Hefetradition, über die er aber gerne selbst berichten darf, an dieser Stelle soll es also beim Teaser bleiben (und bei der Motivation für Viktor mal wieder was zu schreiben).

Anni, das Kveik Pale Ale.

Zurück zum Bier. Noch etwas muss vorweg erwähnt werden und zwar, dass die Jungs bei Flügge nicht mit den Spezialeffekten geizen. Neben einer speziellen norwegischen Hefe wird auch noch Sauermalz verwendet. Hierzu wird das Malz vor dem Darren mit Laktobazillen gesäuert, wodurch der pH-Wert der Maische angepasst und somit unerwünschte Eigenschaften des Brauwassers ausgeglichen werden können.

Gleich zwei Brautechniken bzw. Zutaten die man sonst selten zu Gesicht bekommt. Das Bier ist auf ziemlich trockene 5,0 % Alkoholgehalt bei nur 11,4 °P Stammwürze eingebraut und das schmeckt man auch. Uns gefallen der stabile, feinporige Schaum und die fruchtigen Hopfennoten.

Next up war Béno, das Raw Saison. Auch hier findet sich wieder Sauermalz und weil das natürlich nicht reicht wurde neben Hefe auch noch mit Brettanomyces vergoren. Und weil auch das immer noch nicht reicht, muss das Ganze noch raw, das heißt nicht gekocht, sein. Biere im Brauvorgang nicht zu kochen ist (wie mir wiederum Viktor erklärt hat) ebenfalls eine althergebrachte norwegische Tradition, die vermutlich in den früher nur teuer erhältlichen Kupferkesseln ihren Ursprung hat.

Dieses für Getreideallergiker wirklich ungeeignete Bier ist nicht ganz einfach zu beschreiben. Wenig überraschend überwiegen Malz und Getreide im Geschmack, durch den relativ geringen Alkoholgehalt von 4,6 % ist es aber trotzdem leicht zu trinken, fast sogar erfrischend.

Djup, das Brett IPA, ist zu 100% mit Brettanomyces bruxellensis vergoren und hatte als wir es probiert haben auch schon leicht das charakteristische „Pferdestall“ Aroma. Um meine beste Freundin/meinen besten Freund von Craft Bier zu überzeugen ist es also vielleicht nicht die erste Wahl, für den Craft Bier Aficionado allerdings ein gefundenes Fressen.

Hier muss erwähnt werden, dass Flügge lobenswerterweise das Abfülldatum auf die Flaschen druckt und so weiß der Konsument direkt was Sache ist. Beide „Brett“ Biere, also Béno und Djup, waren zum Trinkzeitpunkt noch recht jung, demnach war der Geschmack noch nicht voll ausgeprägt. Mich als Craft Bier Fan reizt es aber absolut, mehrere Flaschen von den Bieren zu holen und zu unterschiedlichen Reifegraden zu probieren. Der Geschmack sollte sich über die Lagerdauer stark ändern.

Djup kommt recht trüb ins Glas und schmeckte als wir es getrunken haben leicht sauer, wobei ein deutlicher Hopfengeschmack durchkommt. Muss ich noch erwähnen, dass Sauermalz zum Brauen verwendet wurde? Ich denke nicht.

Fil, ein besonderes Johannisbeer Sauer.

Als letztes hatten wir Fil, das Johannisbeer Sauer. Aufgrund von Reinheitsgebotgründen handelt es sich hierbei um ein „alkoholisches Getränk auf Malzbasis“. Hier ist nicht nur unsere neue Lieblingshefe aus Norwegen, sondern es sind auch noch Milchsäurebakterien am Werk. Die absolut geniale rosa Farbe und der fruchtige Geschmack kommen vom Johannisbeerpüree, auf dem das Bier gelagert wird. Selbst für Kenner belgischer Sauerbiere gibt es hier noch was zu entdecken. Der Nachgeschmack hat uns jedenfalls ein Rätsel aufgegeben, falls jemand eine Assoziation dazu hat, bitte an wir@bierspindel.net schicken. Wir sind für jeden Input dankbar.

Abschließend bleibt zu sagen, dass uns bei allen Bieren überrascht hat wie gut der Geschmack am Ende doch ausgeglichen war. Die Gefahr beim Großteil der Sonderbrautechniken und -zutaten ist ja immer, dass diese zwar „interessant“ aber häufig weder gut noch ausgeglichen schmecken. Das Gefühl hatten wir bei keinem der Biere. Sie waren alle super trinkbar und jedes für sich etwas Besonderes. Craft Bier Einsteigern raten wir aber dennoch sich vielleicht mit einer gewissen Vorsicht an die Brauerei Flügge heranzutasten.

Cerveza artesanal – Craft Bier auf Argentinisch

Wie man aus dem vorletzten Artikel rauslesen konnte, wächst die Sehnsucht nach dem Sommer immer mehr im bierspindel Team. Um jetzt die Sonne und laue Nächte genießen zu können, muss man momentan leider auf die Südhalbkugel fliegen. Das hab ich vor Kurzem getan und versuche euch nun den Sommer für die Dauer eines Artikels über Argentinien zurückzubringen.

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Es weihnachtet sehr…

Frohe Weihnachten euch allen! Wir hoffen ihr hattet ein schönes Fest und kommt gut ins neue Jahr. Dieses Jahr haben wir für euch ein paar historische Textstellen über Bier aus dem Buch „Bier: Eine Geschichte von der Steinzeit bis heute“ von Gunther Hirschfelder und Manuel Trummer (ihr kennt das vielleicht schon aus unserem Artikel mit den Weihnachtsgeschenken). Viel Spaß beim Lesen. „Es weihnachtet sehr…“ weiterlesen