Euer erster Brautag: Was ihr vorher wissen solltet

Vor kurzem war es hier zu lesen: „Wenn man also am 22.4. selber brauen möchte, was brauche ich dafür(…)“. Nur kam dann keine rechzeitige Anleitung. Das war mein Fehler, denn vor lauter Privatem und Beruflichen kam ich dann irgendwie doch nicht dazu. Ich hoffe also, dass ihr mir den Fehler verzeiht. Aber heute gibt es dann endlich mehr zum Thema, nur leider nicht das, was ihr euch vorstellt. 

Wer sich jetzt auf eine Anleitung gefreut hat, den muss ich leider vertrösten. Jetzt wirds erst mal zäh, mit ein paar grundliegenden Dingen: Ein netter Bekannter hat uns kürzlich darauf hingewiesen, dass wir bis jetzt noch in keinster Weise den Zoll erwähnt haben. „Den Zoll?“ mag sich jetzt jemand ungläubig fragen. Jawohl, den Zoll. Denn während in der Bundesrepublik jeder Wein für den Privatbedarf herstellen darf wie er mag (zu Recht, wenn ihr mich fragt), muss er/sie/es das Bierbrauen erstmal dem Zoll anmelden. Ohne jetzt zu sehr das Für und Wider abzuwägen (der geneigte Leser darf sich gerne mit einigen Wochen Zeit unter Benutzung der Suchfunktion durchs Hobbybrauerforum kämpfen oder mit mir 3 Bier trinken), sei hiermit ausdrücklich auf die Meldepflicht fürs Hobbybrauen hingewiesen.

Bevor es in der heimschen Küche losgehen kann, muss man sein Brauvorhaben erst dem Zoll melden

Zum großen Glück der Hobbybrauer handelt es sich dabei lediglich um eine Formalität, die Details dazu sollte jeder selber beim für sich zuständigen Hauptzollamt erfragen. Denn wie immer unterliegt die genaue Vorgehensweise dem zuständigen Beamten und variiert freilich enorm. Fragt ruhig ein bisschen mehr nach, die einzige Hoffnung, die uns bleibt ist, dass irgendwann aufgrund des enormen Aufwands diese unnütze Formalität abgeschafft wird. Wer den Telefonanruf scheut, der kann auch hier noch einige Informationen finden. Wichtig ist: das alles muss VOR dem Brauen stattfinden, also ruhig 2-3 Wochen vorher anleiern, damit die Mühlen mahlen können.

Leider wurde ich auch darauf hingewiesen, dass ich vielleicht erst mal auf ein paar Risiken bei der Bierherstellung eingehen sollte, damit man mich vielleicht weniger leicht in die Privatinsolvenz klagen kann. Desswegen sei gesagt:

Nix im Leben ist umsonst, auch Spaß bezahlt man, in diesem Fall mit Risiko. Ich persönlich schätze das Risiko für mich als gering ein, weise aber nochmal drauf hin:

Ob das Bier so aussehen soll, lehrt die Erfahrung, nicht das Internet. Als Faustregel gilt: was schlecht riecht oder schmeckt, ist auch schlecht

Dass Bier historisch gesehen ein hygienisches Lebensmittel war, haben vielleicht viele schon irgendwo gelesen. Wenn man es aber schlecht anstellt, kann Bier auch schlecht sein/werden und ungesund sein. Ich kenne wenige Menschen, die damit beim Hobbybrauen schon Probleme hatten, aber möglich ist alles. Wenn das von euch hergestellte Bier beim Vergären also schlecht riecht oder schlecht aussieht, starke Fehlgeschmäcker aufweist oder ihr euch generell unsicher seid mit der Hygiene des Produkts, dann trinkt es bitte nicht. Generell würde ich lieber einen Sud entsorgen, als meine oder die Gesundheit meiner Freunde auf’s Spiel zu setzen.

Was beim Bierbrauen wie riechen oder aussehen soll ist hier online schwer zu vermitteln. Wer sich also sicher sein will sollte einen Braukurs besuchen oder zumindest einen erfahrenen Brauer/Hobbybrauer mit ins Boot holen, der einem hilft alles einzuschätzen. Abschließend kann ich dazu nur nochmal sagen: Bier ist als alkoholhaltiges Lebensmittel ohnehin keine Wohltat für den Körper, gerade nicht in größeren Mengen.

Ohne industrielle Anlage ist Hygiene immer ein Thema: Kontaminationen mit Bakterien oder wilden Hefen kann man daheim nie ausschließen

Wer also gesundes Leben und Risikoverzicht als Lebensmaxime sieht, der sollte auf den Genuss von Bier, besonders heimgebrautem, möglicherweise verzichten. Kein Mensch kann sich ohne chemisch/mikrobiologische Analyse sicher sein, dass die von ihm im Haushalt hergestellten Produkte hygienisch/chemisch sicher sind. Das gilt für alle Lebensmittel gleichermaßen und wer hier auf Nummer sicher gehen will, muss industrielle Produkte namhafter Hersteller kaufen. Damit ist zwar auch nicht abschließend jedes Risiko ausgeschlossen aber eins können Großbrauereien sicher: Produkte mit hoher und konstanter (lebensmittelhygienischer) Qualität herstellen. Wird ungern gesagt in der heutigen Zeit, aber während ich schon diverse craftige Biere mit übelsten Fehlgeschmäckern „genießen“ durfte, war das Augustiner Edelstoff noch immer Tip-Top, so wie alle anderen Produkte großer deutscher Hersteller.

Zusätzlich zum Risiko was durch mögliche Kontaminationen und daraus resultierende mikrobielle Verunreinigungen oder ungesunde Substanzen im Bier entsteht, ist Bier abfüllen an sich auch gefährlich.

Die Abfüllung in Flaschen: Bier abfüllen birgt Risiken, die es zu kennen und zu vermeiden gilt!

Wenn das Bier ausgegoren ist, wird es bei Hobbybrauern meißt mit einer gewissen Zuckermenge in Flaschen abgefüllt, damit das danach entstehende Kohlendioxid dem Bier den leckeren Sprudel geben kann. Was viele gerne vergessen, ist dass man da ein unter Druck stehendes Gefäß herstellt. Also wenn die Flasche kleine Macken aufweißt, platzt sie. Auch wenn das Bier eben doch nicht ausgegoren war und zusätzlich zu dem gegebenen Zucker noch vergärbarer Zucker im Jungbier war, platzt sie. Auch wenn die Flasche/das Bier mit Wildhefen oder Bakterien kontaminiert war, die dann mehr Zucker vergären als die Bierhefe und dann zu viel Druck entsteht, dann platzt sie. Also sind solche selbst abgefüllten Flaschen Bier gefährlich, wesswegen man doch eine gewisse Sorgfalt walten lassen sollte. Einige Schritte sind im Folgenden aufgeführt:

  • Flaschenmanometer verwenden (das zeigt den Druck an und wenn man sieht, dass der zu hoch ist: Flaschen öffnen)
  • Mit der Bierspindel oder dem Refraktometer nachmessen, ob der Restextrakt konstant bleibt. Als Faustregel werden 3-4 Tage konstanter Restextrakt empfohlen. So kann man sich relativ sicher sein, dass das Bier keinen vergärbaren Zucker mehr enthält, aber auch nur wenn der Restextrakt Sinn ergibt.
  • Sauber arbeiten. Das gilt für alle Schritte im Kaltbereich besonders, also nach dem Kochen des Bieres: Peinlichst alle Utensilien reinigen und im Zweifel erneuern. Immer hygienisch arbeiten, so gut irgend möglich desinfizierende Reiniger verwenden
  • offensichtlich kontaminiertes/schlecht gewordenes Bier entsorgen
  • Bier nach der Nachgärung kalt lagern. Lagerung bei 4°C ist nicht nur gut für’s Bier sondern erhöht auch die Lebensmittelsicherheit.
  • Wer viel Angst hat: Nachgärung an einem „entfernten“ Ort durchführen, an dem eine eventuell platzende Flasche keinen Schaden anrichten kann. Also in einem Schrank oder einem Lagerraum, in dem niemand regelmäßig vorbeischaut.
  • Nur möglichst neue und unbeschädigte Flaschen zum Abfüllen verwenden
  • Sich gründlich informieren, z.B. in Büchern zum Thema Hobbybrauen, im Hobbybrauer-Wiki, im Hobbybrauer-Forum und überall wo man kann.
  • Lesenswert ist auch der Foren-Artikel zum Thema „Sicherheitshinweise“. Den müsst ihr unbedingt vor dem Brauen lesen

Diese Liste ist nicht vollständig und ich kann nur jedem empfehlen, sich niemals bei nur einer einzigen Quelle (Besonders diesen „Blogs“ im Internet) zu informieren. Schadet also nicht, sich mal ’n Buch zu kaufen übers Bierbrauen. Vielleicht liest man da ja noch was interessantes zum Thema Risiko. Ich hoffe aber trotzdem, dass alle Anleitungen die ich hier gebe möglichst vollständig sind. Mir ist klar, dass ich hier einige Begriffe verwendet habe, die einem Anfänger nichts sagen. Glaubt mir einfach wenn ich euch sage: Bald werde ich sie erklären.

Risikominimierung macht Spaß, ist aber nicht alles im Leben

Ich fand es spannend, dass ich auf das „Risiko“ beim Bierbrauen hingewiesen wurde. Ehrlich gesagt ein Aspekt dieses Hobbys, welchen ich bis jetzt nicht beachtet hatte. Ich freue mich entsprechend über Kommentare zum Thema-vielleicht habe ich ja noch was wichtiges vergessen?

Ansonsten kann ich nur sagen: Ich braue trotz aller Risiken Bier und hatte noch nie Probleme mit kontaminierten Suden oder platzenden Flaschen. Ich habe mir immer Mühe gegeben, sauber und gründlich zu arbeiten und das solltet ihr auch tun. So sollte sich das größte Risiko vermeiden lassen. Beim nächsten mal gibt’s dann weniger Disclaimer für mich und mehr Anleitungen für euch. Dieses Mal, ohne dass ich euch ein Datum verspreche, nur um das Risiko zu minimieren.