Bière artisanale – Craft Bier auf Französisch

Französisches Craft Bier? Französisches Bier generell? Ja! Denn selbst wenn man in Frankreich hauptsächlich belgisches Bier findet, macht die Craftbierbewegung auch vor der großen Weinnation keinen Halt. Mittlerweile findet man fast in jeder größeren Stadt die ein oder andere gut sortierte Bar, Craft Bierläden und sogar eigene Brauereien (Artikel folgen). In der Vorweihnachtszeit wurde auch ordentlich Werbung für Bieradventskalender gemacht.

Sagt man jedoch Craft Bier, verstehen einen die wenigsten Franzosen. Wie so oft gibt es auch hierfür eine französische Übersetzung, nämlich bière artisanale. Kaufen kann man es in Paris, wie fast überall, in spezialisierten Läden wie dem Bières Cultes oder dem Bière Bodoma.  Diese gleichen in etwa dem, was man aus Deutschland kennt, auch in den Preisen.  Dabei findet man nicht nur nationale Gebräue sondern auch Klassiker wie SchneiderWeisse und sogar Bevog Dosen aus Österreich. Wie mir ein Besitzer erklärt hat, verkaufen sich die Dosen in Frankreich leider aber sehr schlecht. Denn mehr noch als in Deutschland verbinden die Franzosen Dosenbier mit Obdachlosen. Sehr traurig, wo es doch die beste Lagerung für Bier darstellt!

Das Bière Cultes von außen.

Selbst in kleineren Städten gibt es häufig eine Möglichkeit, an Craft Beer zu kommen. So habe ich beispielsweise im Museumsshop des Château Chambords eine Reihe regionalen Bieres aus dem Loiretal der Brauerei Hönigmann entdeckt. Auch in kleinen Feinkostläden (manche darunter etwas touristisch) findet man meist eine kleine & feine Auswahl regionaler Biere. In Deauville bin ich so auf die Brauerei Mor Braz aus der Bretagne gestoßen, die sehr experimentell unterwegs ist (Feierabend Favorit Artikel folgt). Von meinem Ausflug nach Lille und die Entdeckungen dort, wird es einen eigenen Artikel geben.

Auswahl an französischem Craft Beer (von links nach rechts): Sour Ale von Page 24, Triple Pale Titanic von St Loupoise, Weißbier von La Parisienne, Weißbier von Sarl Moulin d’Ascq, Weißbier von Chanté Blé von Hönigmann und Amber Ale Ch’ti von Castelain.

Im Vergleich zu den meisten deutschen Supermärkten, findet man in Frankreich eigentlich immer nationales wie internationales Craft Bier, das meist etwas günstiger ist (ab 1.80 €) als im spezialisiertem Laden. Die Auswahl hängt hier von Supermarkt zu Supermarkt sowie von der Stadt ab. Es lohnt sich also in mehrere Läden zu laufen.  Ein Teil wird sogar gekühlt verkauft, was jeden Hopfenfreund das Herz höher schlagen lässt. Daneben  gibt es in der Regel das typisch große belgische Sortiment.

Die Preise in Lokalen lassen einem dann aber doch das Herz in die Hose rutschen. Zwischen 6 € (Pint, eher Happy Hour Preis) bis 10 € (französisches Craft Bier 0.33 L oder 0.5 L belgisches Bier) muss man im Schnitt rechnen. Man kann ohne Probleme 12 € für eine 0.33 L Flasche BrewDog hinlegen, nach oben sind hier (leider) keine Grenzen gesetzt.

Auch in hippen Brauereigaststätten stehen die Franzosen in nichts nach. Sogar in dem sehr vollen Paris, findet man eigene Craft Bier Brauereien. So waren wir neulich in einer etwas weniger touristischen Gegend bei Paname Brewing Company. Direkt an einem Kanal (Bassin de la Vilette) gelegen, kann man im Sommer wie Winter draußen am Wasser sitzen oder drinnen im  gemütlichen Gastraum neben den Braukesseln. Sehr gutes Bier und sehr nette Leute und ganz anders als Paris sonst.

Lokal und Braustätte der Paname Brewing Company.

Für alle die sich jetzt in Frankreich ins Vergnügen stürzen und sich fragen: was ist eigentlich dieses Picon Bière was man fast überall auf der Karte findet? Der soll gewarnt sein. Bei Picon Bière handelt es sich nicht um ein Bier der Brauerei Picon, sondern um ein Bier welches mit Picon versetzt wird. Picon ist ein Aperitivgetränk, welches hauptsächlich aus Orangen hergestellt wird und um die 18 % besitzt. Damit schmeckt das Bier nach einem Radler, hat aber deutlich mehr Prozent und stellt somit eher einen Aperitiv dar.

Neugierig geworden und das war alles zu oberflächlich? Über die nächsten Wochen folgen hier mehrere Artikel in der Serie Bierland Frankreich ?!. In diesem Sinne Santé!

Bieriges Weihnachtsmenü

Letztes Weihnachten hab ich mir zum Ziel gesetzt, meine bayrische Familie davon zu überzeugen, dass es auch anderes gutes Bier gibt (außer Hellem und Weißbier).  Dafür habe ich zusammen mit meiner Schwester ein 3-Gänge-Menü mit und zu Bier gezaubert.  Ideengeber war das hervorragende Geburtstagsgeschenk meiner besten Freunde: das Craft Beer Kochbuch  von  T. Goffin, S.Paul & D.Haug (Brandstätter, ISBN: 978-3-85033-943-8) (auch ein heißer Tipp als Weihnachstgeschenk für Bierliebhaber). Dieses Buch bietet nicht nur bierige Rezepte mit passenden Biervorschlägen zu den jeweiligen Gerichten, sondern lädt auch zum Schmökern ein. Neben der Erklärung sämtlicher Bierstile und einer Vorstellung ausgewählter Brauereien, kriegt man auch eine allgemeine Einführung in das Kochen mit Bier, z.B. welches Bier sich als Weinersatz anbietet und welches eher nicht.

Zu Essen gab es also (alles aus dem oben genannten Buch):

Apfel-Käse-Salat mit geräuchertem Scamorza in Senf-Dill-Vinaigrette mit Munich Easy von Crew Republic

Entrecôte mit Balsamico-Butter-Sauce und Brombeeren mit  Imperial Stout von Samuel Smith

Schoko-Brownie-Kuchen mit Orange und geschmolzenen Feigen mit Lindemans Kriek

Für die Vorspeise würde ich zukünftig etwas trockeneres wie ein Session IPA empfehlen (das Detox/ Hop Junkie war aus…), die leicht herben und fruchtigen Noten haben jedoch auch gut harmoniert.

Das Hauptgericht ist mein persönlicher Liebling, deswegen hier auch das Rezept für 2 Personen (etwas gekürzt):

Entrecôte in Stoutsauce mit Brombeeren und Rosmarinkartoffeln.

2 Entrecôtes (à 200 g), gesalzen und gepfeffert

80 g Butter, feingewürfelt und tiefgekühl

40 g Bachkresse, gewaschen, getrocknet, klein gezupft

100 mL Starkbier (ich habe ein eher günstiges Porter genommen)

2 EL Öl, Salz, Pfeffer, 1 EL Zucker, 2 TL Balsamessig

Zimmerwarmes Fleisch in einer großen, mit Öl beschichteten , stark erhitzen Pfanne 2 – 3 min. scharf anbraten. Wenden und für weitere 2 – 3 min. braten. Auf vorgewärmten Platten im Ofen bei 80°C warmstellen. Bratensatz in der Pfanne mit Bier ablöschen und aufkochen. Balsamessig und Zucker dazu geben und 2 min. offen kochen. Die gefrorenen Butterwürfel nacheinander mit einem Schneebesen unterrühren. Brombeeren hinzugeben und durchschwenken, mit Salz und Pfeffer würzen. Steaks aus dem Ofen nehmen, Bratensaft unterrühren, mit Bachkresse anrichten und sofort servieren. Wir haben dazu Ofenkartoffeln mit Rosmarin gemacht.

Schoko-Brownie-Kuchen in Orangen-Sahne Sauce mit geschmolzenen Bierfeigen.

Für den Nachtisch, in welchem natürlich auch Stout enthalten ist (man könnte es mit einem Chocolate Stout krönen), wurde im Buch als Begleitung ebenfalls ein Stout empfohlen. Da ich aber Rote-Früchtesaucen zu deftigen Schokoladenkuchen liebe, es hier aber schon eine sensationelle Orangen-Sahne Sauce gab, hab ich mich für das Lindemans Kriek entschieden.  Das Ergebnis war hervorragend, da die leichte Säure den schweren Kuchen etwas ausgleicht.

Und meine Familie? Kulinarisch waren von Oma bis kleiner Cousine alle begeistert. Was das Bier angeht, herrschte anfangs noch leichte Zurückhaltung, aber spätestens beim Lindemans Kriek, das schon so eindrucksvoll mit einem Korken daher kommt, hab ich sie alle rumgekriegt 🙂 Für mich der Beweis, dass gutes Bier guten Wein beim Essen ablösen kann.

 

 

Gose? Goose? – Goose IPA (Goose Island Beer Co., USA)

Nachdem ich auf meinem ersten Craftbierfest dachte, eine Brauerei hätte einen Rechtschreibfehler bei ihrem „Gose“ Bier gemacht und das zweite O vergessen, hab ich nun endlich ein Goose Bier gefunden. Dieses hat nichts mit den deutschen Sauerbieren (Gose) zu tun, sondern ist ein IPA der Goose Island Beer Co. aus Chicago.

Prinzipiell sollte man sehr skeptisch sein, Biere die in den USA abgefüllt wurden, in Europa zu trinken. Der lange Transport über den großen Teich kann sich vor allem auf hopfige Biere wie IPAs oder Pale Ales negativ auswirken – und von dem groß angekündigten Hopfenaroma bleibt wenig übrig.  Nichtsdestotrotz hat mich der frische, angenehm hopfige Duft auf mehr hoffen lassen als ein unhopfiges IPA. Und ich wurde nicht enttäuscht! Angenehme, leichte Citrusnoten wie versprochen, und eine ausbalancierte Hopfigkeit ohne zu bitter zu sein. Der Malzkörper scheint hier etwas von den 55 IBUs abzufangen. Dieser lässt sich auch an der sehr golden-gelbe Farbe im Glas erkennen. Verwendet wurden hierfür Barley Malt wie auch Malted Wheat, wobei ich letzteren für einen leichten Müsliriegelgeschmack verantwortlich mache.

Insgesamt ein leichtes (5.9 %), angenehm gehopftes IPA, welches auch für Einsteiger zu empfehlen ist.  Was jedoch offen bleibt ist die Frage, ob das Bier in Chicago nicht doch hopfiger schmeckt.